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Filmtipp: Neuland

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Am Anfang des Schuljahres steht Christian Zigg einer neuen Klasse gegenüber, so wie viele andere Lehrer auch. Was diese Klasse aber besonders macht, sind ihre Schüler: Sie alle sind vor Krieg, Terror, Armut und Perspektivlosigkeit in die Schweiz geflüchtet. Die Jugendlichen sind zwischen 16 und 20 Jahre alt und haben am Anfang nicht viel gemeinsam. In diesen zwei Schuljahren werden sie Deutsch lernen, sich mit einer neuen Kultur vertraut machen und den Weg für eine neue Zukunft ebnen. Jeder von ihnen hat einen Traum: Nazlije aus Serbien möchte Grundschullehrerin werden, Ermias aus Eritrea Tierarzt und Ehsanullah aus Afghanistan hat damit zu kämpfen, das Geld seiner Flucht dem Mittelgeber in Afghanistan zurückzuzahlen. So unterschiedlich ihre Träume auch sein mögen, sie alle haben den gleichen Weg in diesen zwei Jahren zu meisten. Die Dokumentarfilmerin Anna Thommen begleitete die Klasse über den Zeitraum vom ersten Tag bis zur Zeugnisausgabe. Für den Zuschauer erschließt sich, wie schwer es ist, in der neuen Heimat wirklich anzukommen. Traumatische Erlebnisse und Sorgen um Angehörige haben Spuren auf den jungen Gesichtern hinterlassen. Doch ihr passionierter Lehrer Christian Zigg wird nicht müde sich für seine Schützlinge einzusetzen, ihnen immer wieder Mut zu machen und dabei trotzdem ehrlich zu sein.


Das Hauptaugenmerk legt die Regisseurin dabei auf den Schulalltag. Sie nimmt die kleinen Dinge in den Blick, beispielsweise die kurzen Gedichte, die Ehsanullah an seinen Heftrand schreibt. Diese Nähe macht spürbar, was es für einer Herausforderung darstellen kann in einer multikulturellen Klasse zu lernen. Im weiteren Verlauf des Films folgt die Kamera den Mitwirkenden und dokumentiert, wie sich die Schüler/innen außerhalb der Schule im Berufsleben behaupten. Besonders anschaulich zeigt die Geschichte des verschlossenen Ehsanullah, dass auch dem engagiertesten Lehrer oft die Hände gebunden sind. So wird klar: Die Schüler haben auch außerhalb der Schule ein Leben, für das sie selbst die Verantwortung übernehmen müssen.

 


Flucht, Vertreibung, Asyl und Integration sind grade in Bezug auf die aktuelle Situation Themen, die auch im Unterricht besprochen werden können. Indem sich die Filmemacherin auf die alltäglichen Situationen eines jeden Schülers konzentriert, bietet sie dem Zuschauer die Möglichkeit, sich in die Jugendlichen hineinzuversetzen. So werden die Schwierigkeiten deutlich, die eine neue Heimat mit sich bringen. Wenn Nazlije ihren Lebenslauf an die Tafel schreibt, füllen nicht Schulwechsel oder Praktika die Zeilen, sondern der Krieg und der Tod der Mutter.

 

Die Fächer Gemeinschaftskunde, Ethik oder Religion eignen sich hervorragend um Fluchtursachen zu diskutieren. Neuland zeigt, wie Integration aussehen kann, wenn sie nicht auf das Schlagwort „Anpassung“ reduziert wird, mit dem ein verzerrtes Bild von Normalität suggeriert wird. Auch die Rolle des engagierten Lehrers Christian Zigg bietet genügend Diskussionsstoff.

 

Regie und Drehbuch: Anna Thommen
Darsteller/innen: Mitwirkende: Ehsanullah Habibi, Nazlije Aliji, Christian Zingg, Ismail Aliji, Hamidullah Hashimi, Andreas Schultheiss u.a.
Kamera: Gabriela Betschart
Laufzeit: 93. min, dt. F
Format: Digital, Farbe
Filmpreise: Dok.fest München 2015 (Preis der SOS-Kinderdörfer), 5-Seen-Filmfestival 2014 (Horizonte Filmpreis), Augenblick Filmfestival 2014 (Prix du Public)
FSK: ab 12 J.
Verleih: Rise and Shine Cinema
FBW-Prädikat: Besonders Wertvoll
Altersempfehlung: ab 15 J.
Klassenstufen: ab 10. Klasse
Themen: Gesellschaft, Migration, Integration, Flüchtlinge, Heimat, Fremdheit, Heimat, Schule
Unterrichtsfächer: Sozialkunde/Gemeinschaftskunde, Ethik, Geschichte, Philosophie, Geografie

 

Text von Eva Marie Hempfling FSJ Kultur
Unter Verwendung von kinofenster.de