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Filmtipp: Diplomatie

diplomatieIm Juni 1940 besetzte die deutsche Wehrmacht Paris. Vier Jahre später befinden sich Sprengsätze an deren Wahrzeichen: am Louvre, dem Eiffelturm, Notre-Dame, Arc de Triomphe. Adolf Hitler persönlich befahl die Vernichtung der Stadt, nachdem die Alliierten weiter Richtung Seine vorrückten und die Résistance deutlich an Einfluss gewann. Der deutsche Stadtkommandant Dietrich von Choltitz ist fest entschlossen, der Order nachzukommen. Wie aus dem Nichts taucht in seinem Arbeitszimmer jedoch der schwedische Generalkonsul Raoul Nordling auf. Der Diplomat verwickelt den Militär in ein mehrstündiges Gespräch bis zum Morgengrauen, in dem beide ihre Positionen und den damit verbundenen Handlungsdruck offenlegen. Im Zuge des verbalen Kräftemessens kommt es schließlich zu einer Entscheidung von historischer Tragweite.

 

Regisseur Volker Schlöndorff adaptiert das gleichnamige Theaterstück von Cyril Gely aus dem Jahr 2011 als faszinierendes Kammerspiel, das von der Präsenz der beiden Hauptdarsteller lebt. Niels Arestrup und André Dussolier standen bereits gemeinsam in der Pariser Theaterinszenierung auf der Bühne. Ihre psychologisch ausgefeilten Wortgefechte wirken trotz des didaktischen Aufbaus sehr überzeugend. Das Gespräch ist allerdings ein reines Gedankenspiel. Historisch ist lediglich erwiesen, dass sich von Choltitz und Nordling mehrfach trafen, um Gefangenenaustausche zu organisieren. Neben den beiden Männern setzt Schlöndorff die Stadt Paris subtil als dritten Protagonisten in Szene. Nordlings plötzliches Erscheinen in von Choltitz’ Residenz durch einen Geheimgang ist darüber hinaus als Hommage an die surrealen und phantastischen cineastischen Stoffe wie etwa Der rote Ballon (FR 1956, Regie: Albert Lamorisse) zu verstehen, die mit der Stadt an der Seine assoziiert werden.



Diplomatie eignet sich vorwiegend für den Geschichts-, Deutsch- und Philosophieunterricht. Da der Film stark einer Theater-Ästhetik verhaftet ist, bietet es sich an, vor allem die ethischen und politischen Konflikte zu behandeln. Vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs können die Schülerinnen und Schüler etwa untersuchen, auf welche Wertemodelle sich von Choltitz und Nordling berufen. Während der General sich dem soldatischen Ehrenkodex aus Befehl und Gehorsam verpflichtet fühlt, appelliert Nordling an humane Werte, die über Gesetz und Politik stehen. Im Deutschunterricht lassen sich in Partnerarbeit die rhetorischen Mittel analysieren, die das Gespräch bestimmen und schließlich dazu führen, dass der deutsche General sich dem Befehl Hitlers widersetzt. Der Geschichtsunterricht eröffnet die Möglichkeit, unterschiedliche Widerstandsbewegungen, von der Résistance bis hin zu den regimekritischen Zirkeln der Wehrmachtsoffiziere, zu untersuchen. Eine Aufgabe könnte dabei lauten, ihre unterschiedlichen Motivationen und Wertvorstellungen herauszuarbeiten.



Regie: Volker Schlöndorff
Drehbuch: Volker Schlöndorff nach einem Theaterstück von Cyril Gély
Darsteller/innen: André Dussollier, Niels Arestrup, Burghart Klaussner, Robert Stadlober, Charlie Nelson, Jean-Marie Roulot u. a.
Laufzeit: 84 Min.
FSK: ab 12 J.
FBW-Prädikat: Besonders Wertvoll
Altersempfehlung: ab 14 J.
Klassenstufen: ab 9. Klasse
Themen: Sprache, Kommunikation, Krieg/Kriegsfolgen, Zerstörung, Macht/Machtgefüge, Zivilcourage, Militär, Faschismus
Unterrichtsfächer: Deutsch, Geschichte, Philosophie, Politik


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Quelle: Ronald Ehlert, Kinofenster.de (CC BY-NC-ND 3.0 DE)